Einmal reibungslos, einmal etwas holprig: Feuerwehr Engstringen evakuiert zwei Schulhäuser

Am Mittwoch wurde gleich in zwei Schulhäusern Alarm geschlagen. Die Lehrpersonen haben bewiesen, dass sich das regelmässige Üben lohnt: Fast alles verlief reibungslos.

Oberengstringen steckte am Mittwochmorgen so tief im dichten Nebel, dass man den Rauch eines Feuers auf den ersten Blick kaum wahrnehmen konnte. Rauch erkennen und richtig reagieren war aber genau die Aufgabe, die zuerst der nichts ahnenden Lehrerschaft der Schule Rebberg Gubrist in Oberengstringen und dann der Schule Büel in Unterengstringen gestellt wurde. Von den 74 Mitgliedern der Engstringer Feuerwehr waren gut 20 am Start. Unter der Einsatzleitung von Erwin Camini ging es kurz nach 8 Uhr los zum ersten simulierten Brandfall.

Das Ziel der Übung sei, die Reaktion der Lehrer zu testen, sagt Leutnant Julio Valero. Um 8.20 Uhr gilt es ernst. Der Abwart setzt im Schulhaus Disconebel frei. Innert kürzester Zeit ist der Gang vom Rauch vernebelt, der in die Schulzimmer eindringt. Die Feuerwehr reagiert erst dann, wenn jemand den Alarm betätigt oder anruft. Das geschieht sofort.

Es gibt inmitten der Aufregung einiges zu beachten: So dürfen nur die Leute im unteren Stock nach draussen. Die Klassen im ersten Stock müssen die Türen schliessen und warten, bis sie von der Feuerwehr geholt werden. Ein bisschen Unsicherheit macht sich breit. So fragt eine Lehrerin aus dem Fenster, ob sie richtig reagiere. Valero bestätigt, dass alles korrekt sei und ergänzt: «Sich bemerkbar machen ist wichtig!»

Die Drehleiter sorgt für Action

Während die Kinder zuerst etwas genervt scheinen, dass sie nicht mit den anderen auf den Sammelplatz laufen können, ändert sich die Stimmung, sobald sie die Drehleiter entdecken. Aufgeregt lassen sie sich aus dem Fenster auf den Boden transportieren. Angst scheint niemand zu haben. Das Gekreische erinnert eher an einen Jahrmarkt, und die Drehleiter fungiert als Achterbahn. «Es war mega cool!», sagt ein Mädchen zurück am Sammelpunkt. «Können wir nächstes Mal auf ein Trampolin springen?», fragt ein anderes.

«Wir waren ganz chillig am Lesen, und plötzlich kam Rauch», fasst eine Schülerin die plötzliche Aufregung zusammen. Sie steht in Socken da, denn um Schuhe anzuziehen, blieb keine Zeit. Sie hätten sogar nasse Lappen an die Türspalte gelegt, um den Rauch zu stoppen, sagt eine weitere Schülerin sichtlich stolz. Dass es ein reibungsloser Ablauf war, bestätigt auch Kommandant Michael Egli. Er lobt die Lehrerschaft: «Es wurde schnell und richtig reagiert».

Im Vergleich zu den letzten Evakuierungen habe sich die Schule Rebberg-Gubrist extrem gesteigert, sagt Egli. Genau deswegen seien diese regelmässigen Evakuierungen notwendig. Wird immer wieder geübt, so seien die Lehrer bereit für den Ernstfall. Während bei der letzten Übung Kinder und Lehrerschaft fälschlicherweise durch den Rauch gerannt seien, sei vorbildlich gehandelt worden.

Trotz kleiner Patzer gelingt auch die zweite Übung

Nach einer Pause im Oberengstringer Feuerwehrdepot geht es auf zur nächsten Evakuierung. Dieses Mal ist auch die Kommunalpolizei rechtes Limmattal vor Ort. Im Schulhaus Büel funktioniert das Alarmsystem mit einer App – oder eben nicht. Diesmal lässt dieses System aber einige im Stich: Der Alarm wurde nicht richtig ausgelöst. So geht es etwas länger, bis alle Klassen draussen sind.

Auch hier kommt die Drehleiter zum Einsatz. Fast alle freut es. Einzig ein Junge möchte nicht evakuiert werden, doch dank gutem Zureden der Polizei kommt auch er schliesslich nach draussen. Der Lehrer habe in dieser schwierigen Situation richtig reagiert und zuerst den Rest der Klasse nach draussen gebracht, sagt Egli.

Regelmässige Evakuationsübungen bieten Raum für Fragen

Der Sammelpunkt im Schulhaus Büel ist sauber organisiert. Jede Klasse steht in einer Gruppe zusammen und wartet, bis alle da sind. «Eine Evakuierung ist erst fertig, wenn alle Menschen draussen sind. Auch die Gebäude, in denen kein Brand ist, werden evakuiert», erklärt Valero.

«Auch deshalb machen wir solche Übungen, damit Unsicherheiten geklärt werden können und alle immer auf dem neuesten Stand sind», sagt Egli. Gelernt wurde an diesem Morgen bestimmt einiges. Und wie man an den aufgeregten Kinderaugen ablesen konnte, hat auch niemand einen Schock davongetragen.

Beitrag aus der Limmattalerzeitung vom 27.09.2023